Die Harke meiner Großmutter
Frühling! Endlich!
Was für ein Genuss das erste Grün sprießen zu sehen! Das Erwachen der Natur nach einem langen Winter. Jedes Jahr ein Wunder, wenn scheinbar Totes zum Leben erwacht. Auch die Wild- und Unkräuter haben überwintert und eifern um das schnellste Wachstum mit den ersten Frühlingsblühern.
Vergangenes Jahr hatte ich diese Jahreszeit im eigenen Garten verpasst und startete erst im Mai in die Gärtnersaison. Das Unkraut hatte dermaßen überhandgenommen, dass ich mir eine lange Harke zulegte, mit der ich dem unerwünschten Grün zu Leibe rückte.
So auch gestern wieder…
Nach einigen Minuten des Harkens realisierte ich, wie ich in einen wohltuenden Rhythmus des Tuns gelangte. Meine Gedanken flossen dahin.
Der Blumengarten
Ich erinnerte mich plötzlich an meine Großmutter, wie diese Ihren reichen, bunten Blumengarten bewirtschaftete. Im Sommer war Großmutter mit Harke und Gießkanne für mich ein verlässliches und wohliges Bild. Reihe für Reihe harkte sie in einem unaufgeregten, beständigen Rhythmus das herrliche Blumenfeld, entfernte Unkräuter, lockerte die Erde für die Wasseraufnahme, düngte, beschnitt und kümmerte sich so täglich um ihr Feld. Jeder Ihrer Blumengrüße stammte aus dem eigenen Garten! Angefangen im Februar mit edlen Christrosen bis in den späten Herbst wo sie üppige Sträuße mit strahlenden Dahlien band. Erst heute, im eigenen Garten, schätze ich ihr beständige Verantwortlichkeit.

Wiederkehrende „Unkräuter“ im Unternehmen.
Während dieser gedanklichen Reise in die Vergangenheit dachte ich an die immer wiederkehrenden „Unkräuter“ bei einzelnen Mitarbeitern und in Teams. Ermüdende Diskussionen um Werte und Normen, komplizierte Charaktere, missliche Kommunikation, aufreibende Konflikte, persönliche Verletzungen, Neid, Missgunst, Machtkämpfe und und und….
Die Zusammenarbeit wird erschwert, und die eigentlichen (Projekt-)Ziele gefährdet oder: „überwuchert“. Die „Düngung“ in Form von Wertschätzung, Lob und Anerkennung kommt nicht an die „Wurzel“ – der Boden ist verhärtet und kann dergleichen nicht aufnehmen.
Da hilft nur eines: Harken!
Ich glaube, als Führungsverantwortliche müssen wir mehr denn je bereit werden „harte Böden“ aufzubrechen! Schwelende Konflikte mit einzelnen Mitarbeitern und in Teams bewusst angehen. Nicht nur oberflächlich-symptomatisch schnell behandeln, sondern nach den Wurzeln der Konflikte suchen und diese entfernen. Manchmal müssen gar geerbte „steinerne Brocken“ von vorigen Generationen geborgen und entsorgt werden, dass der Boden für Neues urbar wird.
Beständig gefordert.
Wenn das Unkraut bekämpft ist „mulchen“ wir unsere Böden: freuen uns bewusst an gemeinsamen Erfolgen und feiern diese. Wir „düngen“ unsere Pflanzen: stärken Mitarbeiter und bilden sie weiter, platzieren sie talentorientiert an die richtigen Stellen und geben ihnen Feedback.
„Schädlinge“ müssen manchmal radikal bekämpft werden.
Das beständige Bestellen unserer „Parzellen“ liegt in unserer Verantwortung. Wir schaffen die Rahmenbedingungen, dass jede Pflanze ihr Potential entwickelt und erblüht und wir gemeinsam Ziele erreichen.
Starker Rücken.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen bei der Bestellung Ihres Gartens: Wachsende Freude, zukunftsgewandten Weitblick, umfassende Geduld, hervorragendes Werkzeug, Mut zu Pausen (am besten mit einem kühlen Bier 😉) und vor allem: Einen starken Rücken! (SR)
Foto: Ciefo Creativity© unter unsplash.com, Stand: 29.03.2026